Die Kulturfabrik. Vielschichtig packend. Mitten in Rorschach. Genügend Parkplätze direkt auf Areal.

Monat: November 2022

Rückblick im Tagblatt: Herausforderungen und Highlights

Der Programmleiter der Industrie 36 zieht nach einem Jahr Bilanz: «Ich war total desillusioniert». Seit rund einem Jahr finden in der Eventhalle Industrie 36 in Rorschach Anlässe statt. Programmleiter Andreas B. Müller sagt, was die Herausforderungen sind und was dem Publikum besonders gut gefällt.

» Ganzen Text von Judith Schönenberger im Tagblatt vom 11.11.2022 lesen

Zweimal volles Haus & einmal musikalische Intimität

Gleich drei Konzerte fanden in den letzten Tagen in der Eventhalle „Industrie36“ in Rorschach und bescherte den Veranstaltern zweimal volles Haus und einmal musikalische Intimität. Hier ein kleiner (unten auch fotografischer) Rückblick im Rorschacher Echo.

Der Funk-Altmeister Fred Wesley bewies letzten Donnerstag mit seiner top eingespielten Band «The New J.B.’s» (Abkürzung für «die neue James Brown-Bläsertruppe»…) gut gelaunt, dass Musik machen auch mit 80 Jahren viel Spass macht und er noch lange nicht ans Aufhören denkt. Am Sonntag fand – ebenfalls mit rund 250 Musikfans in der beinahe ausverkauften Eventhalle «Industrie36» – eine exklusive und begeistert aufgenommene Schweizer Premiere statt mit dem Projekt Jazz/Takes Supergroup des dänischen Pianisten Niels Lan Doky und den Altmeistern Harvey Mason am Schlagzeug, Bill Evans am Schlagzeug und dem Bassisten Darryl Jones, der unter anderen seit vielen Jahren der Bassist der Rolling Stones ist. Und da aller guten Dinge drei sind, zeigte am Samstag der Ausnahmegitarrist Max Lässer auf zehn seiner Gitarren und einem Schwizer Örgeli auf eindrückliche Weise die Bandbreite seines über fünfzigjährigen musikalischen Schaffens.

Fred Wesley (Bilder Pino Buoro):

Max Lässer (Bilder Peter Hummel):

Jazz/Takes Supergroup (Bilder Pino Buoro):

Rorschach ist dieses Wochenende Jazzhauptstadt der Ostschweiz

Gleich mehrere Jazzlegenden geben sich an zwei Konzerten am Bodensee ein Stelldichein. Am 3. November der US-amerikanische Jazzposaunist Fred Wesley und seine Band. Und drei Tage später als Schweizer Premiere das Projekt «Jazz/Takes Supergroup» um den dänischen Jazzpianisten Niels Lan Doky.

79 Jahre alt und immer noch auf Tour: Der US-amerikanische Jazz- und Funkposaunist Fred Wesley spielt am Donnerstagabend in Rorschach.

Auf die Frage, was Jazz ist, gibt es bekanntermassen jede Menge sehr unterschiedliche Antworten. Der Posaunist Fred Wesley findet seine Antwort seit Dekaden im heissen Sound-Dschungel des Funks: Der 79-Jährige hat mit James Brown und George Clinton Musikgeschichte geschrieben und ist, man glaubt es kaum, mit seiner Band, den New J.B.’s, immer noch auf Tour.

Wer «Mister Funk» Wesley einmal gesehen hat, weiss, wie ein Konzertabend mit ihm läuft: Er treibt seine Band, darunter unter anderem auch die Prince-Keyboarderin Rose Ann Dimalanta, zu echten Höchstleistungen an.

Dass Wesley bereits 1943 geboren wurde, down in Alabama, in der Hafenstadt Mobile an der Mündung des Mobile River, das sieht man dieser Jazzlegende nicht an. Man darf erinnern: Dieser Mann hat noch mit dem grossen Swing-Pianisten und Bandleader Count Basie zusammengespielt! In den Sixties nahm ihn dann James Brown unter seine Fittiche.

Zusammen mit dem im gleichen Jahr geborenen Altsaxofonisten Maceo Parker (mit dem er später zu George Clintons Band Parliament wechselte) wurde Wesley zum markantesten Musiker des furiosen JB-Funk-Teams und spielte mit Brown legendäre Titel wie «Say It Loud (I’m Black And I’m Proud)» oder «Pass The Peas» ein.

Jazz, gegen den Strich gebürstet

Und ähnlich wie Parker beweist auch Wesley bis heute, dass Funk eben nicht nur das ist, was man spielt, sondern vor allem auch, was man nicht spielt. Wie viel Jazz in diesem Funk steckt, das wird er am 3. November im Konzertlokal Industrie 36 in Rorschach zeigen, wo «Funky Fred Wesley» gemeinsam mit seiner Band aus Raymond Cox, Rose Ann Dimalanta, Dwayne Dolphin, Hernan Rodriguez, Reginald Ward und Gary Winters ein Konzert gibt, das von der Kulturfabrik Rorschach und dem St.Galler Verein Gambrinus Jazz Plus präsentiert wird.


Der dänische Jazzpianist Niels Lan Doky ist Teil der Jazz/Takes Supergroup.

Drei Tage später, am 6. November, bringt noch ein Konzert vier weitere Jazzlegenden nach Rorschach. Für das Projekt «Jazz/Takes Supergroup» haben sich Bill Evans, Darryl Jones, Harvey Mason und Niels Lan Doky zusammengetan: der dänische Jazzpianist Niels Lan Doky, der als einer der besten zeitgenössischen Jazzer gilt, der US-amerikanische Tenor- und Sopransaxofonist Bill Evans, der als Sideman von Miles Davis bekannt wurde und gelegentlich auch singt, Bassist Darryl Jones, der ebenfalls mit Miles Davis, aber auch mit Sting, Peter Gabriel und den Rolling Stones spielte, und schliesslich Schlagzeuger Harvey Mason, der mit Herbie Hancock, Carlos Santana und George Benson musiziert hat. Da kann man nun wirklich von einer «Supergroup» sprechen.

Und auch bei diesem Konzert wird Jazz gegen den Strich gebürstet: Die Jazz/Takes Supergroup feilt an einer Jazzinterpretation zeitgenössischer Musik und interpretiert Songs von etwa Nirvana, Sister Sledge, Metallica, A Tribe Called Quest, Television oder New Order neu. Das Projekt formierte sich für eine Konzertreihe im Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk nördlich von Kopenhagen – jetzt geht die Supergroup erstmals auf Tournee. Die Schweizer Premiere findet am Bodensee statt.

Quelle: Tagblatt vom 3.11.2022 / Marc Peschke